Ein Forstgarten in St. Leonhard am Forst

Aktualisiert: 28. März

Nachhaltiges Pflanzen und Artenvielfalt sind hier keine Schlagworte.


“Nach der Parkmauer biegen Sie ab Richtung Hiesberg…..”. Der Kunde unterbricht die Wegbe-schreibung: “Wenn ich in St. Leonhard bin, frage ich einfach nach dem Forst-garten!”. Aber Christl Amon, die zusammen mit ihrer Familie den Forst-garten betreibt, ist sich nicht sicher, ob alle Leonharder ihn kennen.


Praktizierte Artenvielfalt hat Erfolg.

Die Forstgärtnerin erzählt: "seit 30 Jahren züchten wir hier vom Samen weg Jungpflanzen für den Wald und für die Landschaftsgestaltung. Unsere Kunden sind Waldbesitzer, Gemeinden, Gartengestalter und die Kunden des Nö. Heckentages. Als Partnerbaumschule des Vereins regionale Gehölzvermehrung vermehren wir Bäume und Sträucher, deren Samen in Niederösterreich nach Regionen getrennt gesammelt und verkauft werden.


Eine Besonderheit in St. Leonhard sind die Sandkeller, in einem davon lagern und behandeln wir jene Gehölzsamen, die vorgekeimt werden müssen.


Manche Kunden bringen oder schicken uns auch die Samen Ihrer Gehölze, damit wir diese vermehren und ihnen wieder verkaufen. So handhaben es etwa Naturparks aus ganz Österreich oder eine Baumschule in Deutschland.


Wie Pflanzen und Böden mit Wasser haushalten.

Christl Amon erklärt: "die Spezialität unserer Gegend für eine Baumschule sind die lehmigen Böden, die es uns ermöglichen, ohne Bewässerung zu arbeiten. Lediglich die Saat wird gegossen und auch nach dem Verschulen gießen wir die umgesetzten Pflanzen ein, wenn es nicht regnet. Die Bäume lernen, ihre Wurzeln nach unten zu strecken, das können sie später im Wald gut gebrauchen. Dafür können die Kollegen mit den leichteren Böden schon oft am Tag nach dem Regen “in den Acker fahren”, während wir noch warten müssen, bis es etwas abtrocknet." Somit werden regionale Gegebenheiten gut genützt.


Lebendige Naturgestaltung ist sichtbar.

Die Familie Amon ist stolz: "die zum Teil große Mühe kann unsere Freude an der Arbeit mit und in der Natur aber nicht wirklich trüben. Wenn wir durch die Gegend fahren und überall sieht man Bäume oder Hecken aus UNSERER Baumschule, ist das ein erhebendes Gefühl. Erfolgserlebnisse gibt es auch immer wieder, wenn uns schwierig zu züchtende Bäume oder Sträucher “gelingen”: etwa der Gemeine Wacholder, die Pimpernuss oder die kernechte Mispel. Das hilft uns über Misserfolge, die auch nicht ausbleiben, hinweg."


Das Wissen wird weitergegeben.

Ein großes Anliegen der Familie ist die Vermittlung ihres Wissens über die Anzucht von Gehölzen aus Samen. Auch ganz praktische Tipps werden gegeben: "Viele wissen nicht, dass man Bäume und Sträucher in der Ruhezeit pflanzt, also im Frühjahr oder im Herbst und nicht im Hochsommer, wo die Auswahl der Gehölze zudem spärlicher ist."


Und zuletzt findet Christl Amon trotz anstrengender Arbeit im Forstgarten noch Zeit, ihre Erfahrung in Geschichten über Bäume, Hecken und Sträucher zu erzählen.


Bäume sind für uns alle wichtig.

Die Familie ist überzeugt von ihrem Beruf: "Solang es unsere Kräfte, die Gesundheit und die Familienverhältnisse zulassen, wollen wir weiter unsere Baumschule betreiben.


Denn eines ist sicher, Bäume sind für uns alle wichtig: als bedeutendster CO2 Speicher, Wasserspeicher, Schattenspender, Lieferant von guter Luftqualität, Nahrungsquelle für Insekten und für unser emotionales Wohlbefinden.


Ein Bericht von Elisabeth Aichinger

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